Jan Weiler: Kühn hat Hunger

Komissar Martin Kühn ist Mitte vierzig und steuert stark auf eine Midlifecrisis zu. Er ist um die Taille etwas fülliger geworden und fühlt sich nicht mehr attraktiv. Die Probleme mit seiner Frau Susanne, mit der er seit achtzehn Jahren verheiratet ist, sind auch ziemlich belastend. Seine Tochter beschimpft ihn als alten Mann, der keine Ahnung hat. Hinzu kommen Geldsorgen, und der mit Chemikalien verseuchte Keller zehrt auch stark an seinen Nerven. Im Komissariat ist er von Neidern umgeben, die gern seinen Platz annehmen wollen. Spontan kauft er sich den Bestseller „Die Ferdie-Caparacq-Diät: Weck die Bestie, Du Sau“. Ein Ratgeber für Männer, die abnehmen wollen und ihre Männlichkeit stärken möchten, unter dem Motto: „Erfolg ist männlich, sonst würde es Sie-Folg heißen.“

Der Fall einer ermordeten Tänzerin führt die Spur zu sogenannten Incels. Das sind Männer, die keine Frauen abbekommen, sich betrogen fühlen und einen abgrundhaft tiefen Hass auf sie entwickeln. Eben solche Typen wie der pornosüchtige Polizist Sebastian und der Frauenhasser Hartmut. Eine deprimierende Szene von völlig gestörten Losern.

Leider fördert die Diät nicht gerade Kühns Geduld. Er versucht vergeblich am Ball zu bleiben, aber die Diätvorschriften sind einfach abstrus. Ich erfreue mich aber an den lustigen Machosprüchen aus dem oben genannten Bestseller.

Am Ende kann Kühn den traurigen Fall lösen, aber ist in seiner Identitätskrise nicht weiter gekommen.

Ich habe alle drei Bände mit viel Freude gelesen. Martin Kühn ist eine etwas tragische aber sehr symphatische Gestalt. Jan Weiler hat die Figur mit viel Zuneigung entwickelt. Mir gefallen die vielen großen und kleinen Sorgen Kühns, die das Buch so alltagsnah beschreibt, ohne jemals langweilig zu sein.

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Der Autor:

Jan Weiler wurde 1967 in Düsseldorf geboren. Nach Abitur und Zivildienst arbeitete er zunächst als Werbetexter. Dann besuchte er die Deutsche Journalistenschule, wurde Redakteur und später Chefredakteur des SZ-Magazins. Seit 2005 ist er freier Schriftsteller.

  • Piper Verlag
  • 416 Seiten
  • ISBN: 978-3492058766
  • 22 €

1 Kommentar zu „Jan Weiler: Kühn hat Hunger“

  1. Ich habe dieses Buch sehr genossen. Es ist sehr kurzweilig und spannend. Aber besonders herausragend ist der Humor. Großartig! Absolut empfehlenswert

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